Unsichere Zeiten Teil II

Unsichere Zeiten Teil II

Unsichere Zeiten Teil II – Chance zum Lernen?

Vergangene Woche beschäftigte mich konsequent die Frage, ob ich als Unternehmerin alle notwendigen Schritte zum Überleben dieser Krise eingeleitet habe, ob es notwendig sein wird, die Produktpalette an die veränderten Gegebenheiten anzupassen, ob mir alle wichtigen Informationen zur Verfügung stehen, ob, ob, ob, vermutlich haben Sie ihn gelesen, den Blogartikel „Coronakrise 2020 I Was ist zu tun? – Ich weiß es auch nicht.“ Wenn nicht, sie finden ihn hier: https://claudiahuhn.de/coronakrise-2020-i-was-ist-zu-tun/

Heute, eine Woche und viele Gespräche über die Umstände, das was ist und das was kommt, mit Kunden, Familie, lieben Menschen und mir selbst im inneren Dialog später, stellt sich immer stärker die Frage: Was soll am Ende dieser Krise anders sein, bzw. was soll anders bleiben. Was soll die Lernschleife sein, die wir, die ich ganz speziell aus dieser anspruchsvollen Zeit mitnehmen kann.

Für mich ist eine solche Lernschleife, die aus schwierigen Zeiten, geschäftlichen oder privaten Herausforderungen entsteht immer ein Stück Gewinn. Sozusagen die Einnahme auf der Habenseite, der die Ausgabe der Herausforderung gegenübersteht. Rückblickend betrachtet gab es in meinem Leben schon die ein oder andere echt harte Nuss und die Lernschleife, die ich auf Basis dieser Erfahrung machen durfte, vielleicht auch machen musste, hat diese harte Nuss immer „wert gemacht“. Manche Herausforderung hätte ich mir sehr gerne erspart, allerdings wird man ja bei der ein oder anderen nicht gefragt. Niemand hat sich diese Krise gewünscht, niemand hat sie gesucht und doch müssen wir sie alle auf die ein oder andere Art managen. Dann können wir auch an ihr lernen bzw. wachsen.

Schaue ich mir eine meiner aktuellen Ängste an, so haben diese auf den ersten Blick etwas mit Existenzangst zu tun. Aber ist das wirklich? Muss ich mir wirklich um meine Existenz Sorgen machen oder ist es nicht vielmehr nur die Angst vor dem Verlust meines aktuellen Lebensstandards?

Die Beraterin für positive Psychologie in mir weiß, dass Lebensstandard ab einem bestimmten Niveau nicht dauerhaft die Zufriedenheit im Leben negativ oder positiv beeinflussen kann, der sicherheitsorientierte Teil in mir weigert sich allerdings standhaft, über diese Brücke zu gehen.

Wenn ich dann doch einmal drüber gehe, dann fallen mir weitere Aspekte ein, die ich bedenkenswert finde. Was wäre, wenn ich sehr viel bewußter konsumieren würde? Freiwillig auf einem schmaleren, keinem schmalen Fuß, aber eben doch auf einem schmaleren Fuß leben würde? Wäre ich dann dauerhaft unglücklicher? Sicher nicht! Würde ich weniger arbeiten, weil ich ja jetzt weniger Geld zum Leben benötige? Vermutlich auch nicht, denn ich habe das große Glück sehr gerne zu tun, was ich tue. Was denn dann? Wo könnte der Gewinn einer solchen Minimalisierung , einer solchen freiwilligen Einschränkung liegen?

Der Gedanke ist noch nicht in aller Konsequenz zu Ende gedacht, aber es kristallisieren sich erste inhaltliche Rohdiamanten heraus. Der schmalere Fuß würde manche Sorge überflüssig machen, er würde freie Zeit schaffen, die ich mit anderen wertvollen, nicht mit Geld zu bezahlenden Inhalten füllen könnte, er würde Tempo aus dem Leben nehmen, wenn ich es wollen würde.

Besonders gut fühlt sich an diesem Gedanken die Möglichkeit an. Ich könnte Tempo reduzieren, wenn ich wollte. Ich könnte weniger Arbeiten, wenn ich wollte, ich könnte, könnte, könnte. Mich meiner vermeintlichen Angst um meine Existenz zu stellen, diese als das zu entlarven, was es ist, schafft Selbstwirksamkeit. Und das in einer Zeit, die geprägt ist vom genauen Gegenteil, nämlich dem Gefühl der Ohnmacht, nicht wirklich selbst etwas aktiv dazu tun zu können, damit diese Krise ein Ende nimmt.

Ich bin gespannt, was bleiben wird, am Ende der Krise. Wie die tatsächliche Gewinn- und Verlustrechnung aussehen mag. Bis dahin bleiben Sie gesund und kommen Sie möglichst unbeschadet durch diese in jeder Hinsicht außergewöhnliche Zeit. Ich werde von meiner Zeit berichten.

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